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Am Japmajaure
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Winter Camping nördlich von
Riksgränsen, April 1998
© Mark Harris 1998
Wenn Du etwas Hintergrundinformation zu den Geschichten haben
möchtest, kannst Du die Einleitung
lesen.
Fotografien sind in den Text gelinkt, aber wenn Du ihn lieber
ausdrucken möchtest, kannst Du die Fotos auch in der Gallery
betrachten.
Wenn du die Einführung zu meinen Berichten gelesen
hast, dann erinnerst Du Dich vielleicht, daß ich behauptet
hatte, daß Winter-Camper verrückt sind. Ich bin instinktiv
davon überzeugt, aber tief in mir gibt es auch den Wissenschaftler,
der für solche Ansichten einen Beweis haben will, und so
war ich (bzw. der Wissenschaftler in mir) eingeladen auf eine
Winter-Campingtour mit einigen Freunden, die ich letztes Jahr
in der Hütte in Nallo getroffen hatte. Sie leben in Kiruna,
und sie sind jedes Wochenende draußen in den Bergen, und
so vertraute ich völlig ihrer Erfahrung und daß sie
irgendwie dafür sorgen würden, daß ich wieder
lebend zurückkommen würde. Oder zumindest überhaupt
zürückkommen würde. Trotzdem habe ich sehr schlecht
geschlafen in der Nacht, bevor sie mich morgens abholten und
nach Katterjåkk fuhren, wo wir das Auto abstellten und
unser Gepäck ausluden, die anderen mit 20 kg Rucksäcken,
ich mit meinem selbstgebauten Schlitten.
Wir zogen nach Norden über den See bei -10 C und Sonne
und gerade so viel Wind, daß wir schon nach 10 min stoppen
konnten, um unsere Jacken auszuziehen. Im Süden waren verdächtige
Wolken, die sich aber offensichtlich nicht näherten.
Es war Donnerstag vor Ostern, und wir waren 5 km von der
norwegischen Grenze entfernt, was den heftigen Scooter-Verkehr
erklärte. Nicht nur viele Schweden waren in den Ferien,
sondern auch alle norwegischen Fahrer wollten den starken Einschränkungen
des Scooter-Verkehrs in ihrem Land entkommen. Es hat immer Scooter
gegeben, wenn ich hier oben Ski gefahren bin, und es hat mich
nie wirklich gestört, manchmal ist es ganz beruhigend, wenn
ein einzelner Scooter-Fahrer hier vorbeikommt. Aber an diesem
Tag war es anders, mit Dutzenden von rücksichtlos gefahrenen
Maschinen, die ziellos in der Gegend herumzogen. Eine davon verfehlte
Åsa nur um einen Meter, als er in einer unübersichtlichen
Kurve über einen Hügel fuhr.
Unser Ziel war der Japmajaure, 15 km im Norden, noch in
Schweden, und unsere Route führte uns über 2 steile
Bergkuppen, die auf dem Hinweg kein ernsthaftes Problem waren,
aber ich mochte nicht daran denken, wie das nach 3 oder 4 Nächten
in einem Zelt aussehen würde. Als wir auf dem ersten waren,
erwähnte Åsa, daß er noch nie Winter-Camping
gemacht hatte, und als wir auf dem zweiten waren, hatten uns
die ominösen Wolken eingeholt und eine Ladung Schnee mitgebracht.
Die Sichtweite sank auf ein paar Meter. Ich hatte Mühe,
der Spur zu folgen, und ich fürchtete, die anderen zu verlieren.
Ich hoffte, daß es keine dritte Bergkuppe geben würde.
Aber dann klarte es wieder auf, und als wir den See erreichten,
war es ein wundervoller Abend.
Wir stellten in der nordwestlichen Ecke zwei
Zelte auf und hofften dort auf etwas Windschutz, und wir
bauten auch einige Wände aus Schneeblöcken. Ich lernte,
daß es eine Kunst ist, diese Wände zu positionieren,
denn wenn die Wand zu nahe am Zelt ist, wird Schneetreiben auf
dem Zelt liegenbleiben, und wenn sie zu weit weg ist, wird der
Wind einfach darum herumgehen. Der optimale Abstand hängt
von der erwarteten Windstärke, der Höhe der Wand und
der Farbe der Unterwäsche an diesem Tag ab. Im Verlauf des
Wochenendes verbrachte ich einiges an Zeit damit, die Wände
zu verbessern, hauptsächlich um mich warm zu halten, wenn
ich sonst im Camp nichts tun konnte. Außerdem verbrachte
ich einige Zeit damit, auf die Wasserflaschen zu achten und sie
leerzutrinken, bevor sie gefrieren konnten. Der einzige Weg,
um sie wieder aufzutauen, wäre gewesen, sie mit in den Schlafsack
zu nehmen. Brrrr.
Anders und Johan kochten ein wundervolles Abendessen, und
dann quetschten wir vier uns in ein 3-Mann-Zelt für einen
gemütlichen Abend mit Thermos-Kakao. Meine Bedenken legten
sich, als die Körperwärme die Temperatur im Zelt über
Null anhob, und ich fühlte mich wohl bei diesen netten Leuten,
die ich kaum kannte, abgesehen von einem Tag in Nallo und gelegentlichen
E-Mails.
Ich hatte immer noch die Kleidung an, in der ich auch Ski
gefahren war, denn sie wäre danach wohl sofort gefroren,
wenn ich sie ausgezogen hätte. Ich war überrascht,
daß sie jetzt inzwischen bei -10 C doch schließlich
am Körper getrocknet war, obwohl ich recht inaktiv gewesen
war, und sogar meine Schuhe schienen trocken zu sein, so daß
ich sie nicht mit in den Schlafsack nehmen mußte.
Ich schlief nur leicht, mehr weil ich auf der geliehenen
harten Matratze unbequem lag, weniger wegen der Kälte, und
ich war froh, daß sich niemand vor 10 Uhr morgens regte,
denn zu dieser Zeit hatte ich mich gut ausgeruht und die Sonne
das Zelt etwas erwärmt.
Ich war besonders dankbar für die Sonnenwärme,
da ich auch entdeckt hatte, daß man sich nicht tief in
den Schlafsack verkriechen darf, wenn die Temperatur unter Null
ist, denn aus dem Atem kondensiert die Feuchtigkeit und gefriert
im Material des Schlafsacks. Ein paar Stunden Sonnenschein
auf dem dunkelgrünen Zelt in der trockenen Luft hatten alles
wieder getrocknet. Ich war richtig glücklich. Wir hielten
ein schnelles Frühstück, was
beim Winter-Camping etwa zwei Stunden dauert. Genug Schnee zu
schmelzen für Tee, Haferbrei und Thermosflaschen für
den Tag für vier Leute braucht vieeeeel Zeit, selbst wenn
man 3 Kocher mit unterschiedlicher Effizienz hat. Um meine Zehen
warmzuhalten, baute ich an den Windschutz-Wänden, während
die anderen spezielle Aufgaben erledigten.
Um 12 zogen wir los zum Naevertind, 900 m höher und
10 km entfernt. Ich fühlte mich stark und zuversichtlich,
als wir die ersten, steilen 300 m zum Isvatnet
aufstiegen. Es war wieder -10 C , still und wolkenlos, mit 20
cm Neuschnee. Die Bedingungen konnten nicht besser sein. Die
paar Kilometer über den See waren
ein reines Vergnügen, mit dem großartigen Doppelpeak
des "tind" vor Augen, der zu uns herüberschaute.
Dann noch einmal lange und langsame 4 km, um die nächsten
500 m aufzusteigen, aber niemandem machte es etwas aus, denn
alles war so perfekt. Und für mich war es der erste Tag,
an dem ich keinen Schlitten hinter mir
herzog. Ich genoß den Gedanken, daß ich jetzt all
mein Telemark-Training gebrauchen konnte für die besten
Telemark-Bedingungen, die ich bisher gesehen
hatte - kilometerlange 10-15 Grad-Hänge
bedeckt mit unberührtem Neuschnee. Wheeee !
Wir aßen um 4 Uhr nachmittags
unterhalb des ersten Peaks zu Mittag, und
wir sahen, saß wir uns beeilen mußten, wenn wir zurück
sein und essen wollten, bevor es dunkel (und kalt) werden würde.
Ich wäre fast auf dem letzten 50 m-Anstieg
zurückgeblieben, denn ich wollte noch etwas Energie
für die Abfahrt aufheben, aber dann dachte ich, daß
ich mir das niemals verzeihen würde,
und ich folgte den anderen zum Gipfel.
Was für eine Aussicht ! - nach Osten
bis jenseits des Låktatjåkka, nach Westen bis Rombak
und dem Ofotfjord, nach Norden bis zu
etwas Eindrucksvollem, was außerhalb
unserer Karte war.
Leider konnten wir es uns nicht leisten, uns lange aufzuhalten.
Ich konnte auch nicht die perfekten Hänge so überlegt
fahren, wie ich es gerne gemacht hätte, und es stellte sich
heraus, daß es mir sowieso an Technik fehlte, und so hinterließ
ich weite, verwackelte Bögen neben den sauberen S-förmigen
meiner Freunde. Ich muß endlich daran denken, nach Kiruna
zu ziehen. Wir waren nach 1 1/2 Stunden
wieder unten und stellten fest, daß unser Lager von Dutzenden
von Scootern besucht worden war, die jeden Quadratmeter des wunderschönen
Neuschnees umgepflügt hatten. Es
war ein Jammer, wir hätten eigentlich hier sitzen sollen
und 15 km von der nächsten Straße entfernt die Schönheit
der Landschaft betrachten sollen, aber das war jetzt schwer mit
all den Zeichen einer aggressiven Fahrweise um uns herum.
Ich verbesserte wieder die Windschutz-Wände, während
die anderen kochten, und war etwas verdrossen darüber, daß
wir bisher überhaupt keinen Wind hatten. In dieser Nacht
hielt ich mein Gesicht aus dem Schlafsack heraus, um das Frost-Problem
zu vermeiden, aber die Luft war ungemütlich kalt zu atmen,
und am Morgen fühlte ich mich müde und geschwächt,
obwohl das sehr gut von den Anstrengungen der vergangenen Tage
kommen konnte. Die Hand von Anders war auch geschwollen, und
während Åsa und Johan noch den Gipfel
des Päivektjåkka mitnahmen,
stoppten wir auf halbem Weg und nahmen uns Zeit für ein
sehr langes und angenehmes Mittagessen, wobei wir versuchten,
das 30 km entfernte Hunddalen zu identifizieren.
Dann döste ich eine Stunde im Zelt und fühlte
mich wieder besser. Wir verbrachten noch einen lustigen Abend
im Zelt und stellten fest, daß wir am nächsten Tag
zurückmußten, wenn ich meinen Zug erreichen wollte.
Als ich zu meinem Zelt zurückging, bemerkte ich, daß
meine Stiefel steif gefroren waren, wahrscheinlich weil ich mich
an diesem Abend nicht viel bewegt hatte, und ich schlurfte dahin,
wobei die Füße nur im Oberteil steckten. Trotzdem
wollte ich nicht auf den Schlafkomfort verzichten und die Stiefel
mit in den Schlafsack nehmen, und so betete ich für einen
weiteren sonnigen Morgen. Und da wir sowieso wieder in die Zivilisation
zurückwollten, rollte ich mich auch in den Schlafsack ein,
ich konnte ihn ja dann später in der Wohnung trocknen. Die
Sonne ging um 6 Uhr auf, und um 9 Uhr waren meine Stiefel wieder
verwendbar. Ich lief ohne Mütze und Handschuhe im Lager
herum. Um 10 Uhr sah ich zufällig auf das Thermometer, und
es zeigte -20 C ! Wie kalt war es dann in der Morgendämmerung
gewesen ? Es mußten zumindest -25 C gewesen sein, und später
hörten wir, daß es -30 C in Nikkaluokta gewesen waren.
Es war gut, diese Temperaturen in einem Zelt überlebt zu
haben, aber mir war klar, daß die ruhige, klare Luft alles
bedeutete, und ich kann mir immer noch nicht richtig vorstellen,
wie schrecklich Winter-Camping bei feuchten oder windigen Bedingungen
sein würde.
Der Trip nach Hause war nicht weiter erwähnenswert,
außer wegen des Wetters, das sich am nächsten Tag
in Richtung feucht, grau und elend veränderte. Gutes Timing.
Ich habe die Berge überlebt, und ich bin nicht von Scootern
angefahren worden.
Ob ich jetzt immer noch denke, daß Winter-Camper
verrückt sind ? Ja. Wir hatten eine großartige Tour,
aber nur weil wir Glück mit den Wetterbedingungen hatten.
Wie richtiges Winter-Camping ist, muß ich immer noch herausfinden.....
(Deutsche Übersetzung Kurt Bangert)
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