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Brücke am Servejaure

Familientour auf dem Kungsleden:
Hemavan - Ammarnäs
(Teil II: Syter - Ammarnäs)

August 1999
von Kurt Bangert und Carola Bläsing-Bangert

23.8. Syter - Tärnastugan

Der Nieselregen hatte über Nacht angehalten, doch heute sollte er uns nicht allzusehr stören. Nach zwei Wandertagen hatten wir vorgesehen, daß der dritte Tag nicht sehr anstrengend sein sollte. Auf dem Tärnasjö gab es einen Bootstransport, und der sollte uns etwa 12 der 16 km ersparen. Außerdem wollten wir heute abend in die Sauna der Tärnastugan gehen und uns entspannen. Mit etwas mehr Zeit und besserem Wetter hätten wir auch von Syterstugan aus eine kleine Tagestour ohne Gepäck zum Syter-Gletscher machen können, doch Zeit hatten wir keine übrig, und der Gletscher lag ohnehin in den Wolken.

Am Vorabend hatten wir schon bei den Hüttenwirten wegen des Transports nachgefragt, und nun erfuhren wir, daß es nicht ganz so einfach war, wie wir gedacht hatten. Der Wasserstand war in diesem Jahr so niedrig, daß der Mann, der das Boot fuhr, nur ein kleines Boot benutzen und jeweils nur 3 Personen mitnehmen konnte. Da auch Sebastian und sein Vater und Großvater mit dem Boot fahren wollten, mußten drei Fahrten im Abstand von je einer Stunde stattfinden. Bis zur ersten Abfahrt war gerade noch eine Stunde Zeit, als wir die Mitteilung bekamen. Sebastians Vater wollte erst das Boot gegen Mittag nehmen. Also mußten wir uns schnell in zwei Gruppen aufteilen, denn bis zum Anleger waren 4 km zu gehen. Wir legten fest, daß Daniel, Ute und Carola zum ersten Boot gehen sollten, und Gisbert, Paula und ich würden eine Stunde später folgen. Die erste Gruppe konnte noch schnell ein paar Sachen in den Rucksack räumen, dann mußten sie los. Gisbert, Paula und ich regelten den Rest in der Hütte und gingen dann ebenfalls los.

  
Am Tärnasjö

Wir waren pünktlich an der ersten von drei Brücken, auf der der Kungsleden den Tärnasjö überquert, doch damit fing das Warten an. Auf der ersten Fahrt mit Daniel, Carola und Ute hatte der Bootsmotor nämlich etwa einen Kilometer vor der Tärnastugan einen plötzlichen Defekt, und Carola und Ute mußten zusammen mit dem Bootsfahrer ans Ufer rudern. Das war im Grunde kein Problem, doch kostete es Zeit. Der Mann wußte nicht, daß beide Frauen in der Schulzeit das Rudern als Leistungssport betrieben hatten, und da er auf einer Seite ruderte, während die beiden sich auf der anderen Seite abwechselten, war er bald so außer Atem, daß er eine Pause brauchte. Wie auch immer, sie erreichten einigermaßen schnell das Ufer. Etwa einen Kilometer mußten sie noch zu Fuß bis zur Hütte gehen, dann konnte er ein anderes seiner Boote nehmen, um uns abzuholen.

Wir saßen an der vorbestimmten Stelle und wußten von alledem nichts. Die Zeit war bereits um eine halbe Stunde überschritten, und ich war froh, als ich endlich das Boot kommen sah. Nun sah ich den Tärnasjö noch einmal aus der gleichen Perspektive wie vor wenigen Monaten bei unserer Wintertour, nur daß ich nun im Boot saß, statt auf Skiern zu stehen.

 Ankunft in Tärnastugan

Bald waren in an der Hütte, und Carola, Ute und Daniel warteten schon auf uns. In der Hütte war die Betteneinteilung bereits festgelegt. Zwar waren bisher wenig Wanderer da, doch wußte die Hüttenwirtin schon, wie viele kommen würden, sie hatte uns in das Zehn-Bett-Zimmer eingeteilt und ließ uns keine Wahlmöglichkeit mehr.

Am Nachmittag hatten wir viel Zeit und gingen mit den Kindern zum Seeufer. Wir trafen den Mann mit dem Boot wieder. Wir freuten uns, daß er Carola und Ute sechs frisch gefangene Fische schenkte. "Für das Rudern", so meinte er. Damit stand das Abendessen fest. Es war Zeit, sich um die Sauna zu kümmern.


 
Forellen und Saiblinge

Auch Sebastians Vater und Großvater wollten in die Sauna. Drei Meterstämme Birkenholz braucht man für eine Sauna. Ich sägte und hackte vorsichtshalber vier Stämme, und der Großvater übernahm es, die Sauna um 16 Uhr anzuheizen. Um 17 Uhr waren die drei Schweden in der Sauna, und um 18 Uhr war es dann bei uns so weit. Nachdem wir uns ordentlich eingeheizt hatten, gingen wir zum Abkühlen in den See. Das heißt, alle außer mir. Der See hatte 11 Grad, und als routinierter Saunagänger bin ich kaltes Wasser gewohnt, doch Wärme ist mir allemal lieber. Deswegen übernahm ich die wichtige Aufgabe, Fotos zu machen.

   
Sauna in Tärnastugan

Inzwischen hatten wir ordentlich Hunger bekommen. Alle anderen Wanderer in der Hütte hatten Fische gekauft, so daß am Ende jeder eine Fischmahlzeit hatte. Es gab sogar Öl zum Braten der Fische für jedermann im Küchenschrank der Hütte, wohl ein besonderer Service in der Tärnastugan. Aber wir hatten selbst etwas Butter dabei, und damit schmeckt frischer Fisch noch besser. Eine unserer Fertigsoßen war zufällig genau für Fisch gedacht, und dazu gab es snabbmakkaroner. Wir leerten außerdem die zweite Rotweintüte aus dem Systembolaget, wodurch mein Rucksack wieder 750 g leichter wurde. Ein besseres Essen als das heutige konnte es wohl in keinem Spezialitätenrestaurant geben. Vielleicht ist das der Grund, daß wir es sogar gelegentlich zu Hause kochen (eine Beschreibung gibt es auf den Rezeptseiten).

   
Abends in Tärnastugan

Nach dem Essen räumten wir auf, und wie am Vorabend fand sich recht bald die Runde der Würfelspieler wieder zusammen. Wir saßen alle mit Sebastian, seinem Vater und Großvater am Tisch, und es wurde wieder ein sehr gemütlicher Abend. Carola holte neue Kerzen aus ihrem Vorrat. Sebastians Großvater hatte das Buch von Claes Grundsten über das Vindelfjäll dabei, und ich las es bei Kerzenlicht. Auch Carola fand Zeit, in Ihrem Buch zu lesen. Alle anderen hatten keine Ausrede und mußten würfeln. Die Hüttenwirtin meinte, es sähe aus wie in einer Spielhölle. Spät, genauer gesagt kurz vor Mitternacht, zogen wir uns alle in das Zehnbettzimmer zurück. Es war der letzte Würfelabend, denn die Gruppe von Sebastian wollte einen weiteren Tag in Tärnastugan bleiben.

24.8. Tärnastugan - Servestugan

Heute ließen wir uns Zeit. Die längste Strecke dieser Tour lag vor uns. 10 Grad plus, der Himmel war bedeckt, aber vielleicht würde es aufklaren. 

 
Bei Tärnastugan

Durch einen Birkenwald stiegen wir langsam bis zur Baumgrenze. Die Kinder machten viele Pausen. Schließlich gab es auch noch Rentiere zu sehen. Daniel klagte, sein Rücken täte weh, und auch Paula ging heute nicht so zügig wie sonst. Da Carola und ich inzwischen wesentlich leichtere Rucksäcke hatten, denn das meiste vom Proviant war inzwischen verbraucht, konnten wir ohne Probleme einen Teil des Gepäcks der Kinder aufnehmen. Immerhin hatten wir erst einen kleinen Teil der Strecke hinter uns, und am Ende wartete noch ein weiterer Aufstieg auf uns. Das Wetter sah nicht sehr stabil aus, fast der ganze Weg verlief oberhalb der Baumgrenze, und wir brauchten Reserven, falls sich das Wetter verschlechtern würde.

Die Gegend sah völlig anders aus als im Winter, und auch die Wegführung war anders. Ich glaube, nach zwei Stunden waren wir etwas erschöpft. An einer windgeschützten Stelle rasteten wir noch einmal.

  
Unterwegs nach Servestugan   

Nach weiteren drei Kilometern erreichten wir die Brücke über den Zufluß des Servejaure und nahmen das zum Anlaß für eine weitere Rast. Inzwischen waren wir viereinhalb Stunden unterwegs. Nicht viel eigentlich, doch länger als bisher auf dieser Tour. Die Pause half uns, noch einmal etwas Kraft zu schöpfen. Ein weiterer Aufstieg stand bevor, doch danach war es nicht mehr weit.

  
Bei Servestugan

Der Aufstieg hatte sich gelohnt. Von hier oben hatte man eine wunderbare Aussicht auf den Sulåive in fast 15 km Entfernung, und wenig später konnte man die Servestugan im Tal sehen.

In Serve hatten wir endlich, was ich auf der ganzen Tour erhofft hatte, nämlich eine leere Hütte, in der es für uns zwei Vierbettzimmer gab. Die Hüttenwirtin war sehr freundlich, und wir konnten die Ruhe und Abgeschiedenheit noch einmal richtig genießen. Wir unterhielten uns, ich zeigte ihr die Bilder von unserer Wintertour auf der Strecke, und sie gab uns zwei Briefe, die wir in Ammarnäs zur Post bringen sollten.

Die Saison ging unaufhaltsam zu Ende. Die andere der beiden Hütten war schon gereinigt. Sie enthielt auch das Hjälptelefon und den für die Wintersaison offenen Raum. Noch eine Woche, und dann würde alles außer diesem einen Raum abgeschlossen sein.

Kartoffelbrei - Pulver war deswegen im Ausverkauf, und so richteten wir unseren Speiseplan danach aus. Zum Kartoffelbrei gab es Hackfleischsoße, die wir aus dem Globetrotter-Versand - Tüten - Hackfleisch bereiteten. Leider war das Klasse-II Bier, das wir uns jetzt eigentlich zum Ende der Tour leisten wollten, schon ausverkauft. Der Nachteil wurde zum Teil dadurch aufgewogen, daß es im Ausverkauf Kartoffelchips gab.

Der Sonnenuntergang brachte wunderbare Lichteffekte. Wir gingen früh ins Bett. In der Nacht kam plötzlich ein starker Wind auf, und ich lag eine Zeit lang wach. Gut, daß wir ihn nicht am Tage gehabt hatten, denn oben im kalfjäll war er sicher noch stärker. Um 4 Uhr morgens hörte er so plötzlich auf, wie er gekommen war.

25.8. Servestugan - Ammarnäs

Der letzte Tag unserer Tour war gekommen. Der Kungsleden führte von hier eigentlich wieder ins Gebirge nach Aigertstugan. Doch das hätte einen zusätzlichen Tag bedeutet, und den hatten wir nicht. Wir wollten den direkten Weg nach Ammarnäs nehmen, und von den 22 km konnten wir wieder einen Teil mit dem Boot fahren.

Wir ahnten es schon: wie beim letzten Mal am Tärnasjö war das Wasser zu niedrig, und so konnte uns das Boottaxi nicht am Anleger abholen, sondern erst an einer Stelle, die näher an Ammarnäs lag. Dort sollte zunächst nur ein Erwachsener mit den beiden Kindern einsteigen. Die drei anderen Erwachsenen mußten noch zwei weitere Kilometer zu einer anderen Stelle laufen und konnten dann in einer zweiten Fahrt aufgenommen werden. Die Stellen hatten wir auf der Karte vermerkt und ich hatte mir die Daten für das GPS aus der Karte abgelesen.

  
Unterwegs nach Ammarnäs

Der Weg war einfach, zunächst leicht bergab und dann am Tjulträsk entlang durch Birkenwald. Hier zeigten sich schon die ersten Herbstfarben. Es war nicht schwer, den ersten Bootsanleger zu finden, und Gisbert stieg mit den Kindern ins Boot. Wir hatten die Bootsfahrten teilweise auch einfach als Abwechslung gedacht, und das war hier sehr erfolgreich: Paula und Daniel durften beide das Boot steuern und sie waren sehr begeistert.

Das Boot hielt diesmal durch, und es wartete schon, als Carola, Ute und ich die Stelle erreichten, an der wir einsteigen sollten. Dieser Punkt war etwas schwerer zu finden, doch hier bewährte es sich, ein GPS dabei zu haben.

Der Bootsfahrer drückte uns zum Abschied seine Visitenkarte in die Hand, und dann lagen 8 km Straße vor uns. Jeder konnte seinen Gedanken nachhängen, denn hier mußte man nicht auf den Weg achten, und es kamen auch keine Autos. Karl-Göran von Viterskalstugan hatte Recht gehabt. Was auch immer die Wettervorhersage erzählte, er hatte gemeint, es würde bis heute dauern, bis wir gutes Wetter haben würden. Und so war es. Wir wanderten in Wärme und Sonnenschein auf der Straße Richtung Ammarnäs. Eigentlich hatten wir gedacht, unterwegs Gisbert und die Kinder einzuholen. Doch eine genauere Überlegung zeigte, daß sie doch soviel Vorsprung hatten, daß das auf den acht Kilometern nicht möglich war.

 Am STF-Vandrarhem

Bald nach unserer Ankunft saßen wir im Sonnenschein vor dem vandrarhem und tranken den letzten Kaffee aus unserem Vorrat. Dann beeilten wir uns, noch einmal zum ICA zu gehen, der auch gleichzeitig die Post war, und die Briefe aufzugeben, die die Hüttenwirtin von Serve uns mitgegeben hatte.

Nach einer Sauna saßen wir abends im gemütlichen Restaurant von Jonsstugan. Die Tour war beendet, und eigentlich war alles genauso abgelaufen, wie wir es geplant hatten. Doch was hätten wir uns für unsere erste Tour mit Kindern Besseres wünschen können ?


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