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Aus unerklärlichen Gründen ließ ich den wärmsten Sommer zurück, den man sich im südlichen Schweden vorstellen konnte, um eine Drei-Tages-Wanderung in Lappland zu machen, wo sie den schlechtesten Sommer seit Jahren hatten. Ich fuhr sogar ein paar Tage früher dorthin und verbrachte einen Tag mit Paddeln auf den Torneträsk bei 4 Grad in Wind und Regen, um sicherzugehen, daß sich meine Erkältung auf der Tour nicht verschlimmern würde. Mit Al, meinem exotischen Partner aus Tasmanien, erreichte ich schließlich die Bahnstation Vassijaure. Wir hatten eigentlich die normale Wanderroute nehmen wollen, die von der Station Låktatjåkka ins Gebirge führt, aber zu spät bemerkt, daß der Zug dort nicht mehr hielt. So entschieden wir uns, durch das parallele Kärkevagge zu gehen, anstatt eine Stunde an der Eisenbahn entlang zu wandern.
Am Talboden konnten wir die markanten Felsen sehen, die viele Tagesbesucher anziehen, aber unser Ziel war der Trollsee, der in einem eindrucksvollen Kessel oben im Tal liegt. Als wir uns ihm näherten, konnten wir weiße Schaumkronen auf seiner Oberfläche erkennen, was erstaunlich war, denn er ist von allen Seiten außer Nordwest vor Wind geschützt. Als wir dort waren, zeigte mein Windmesser den Maximalausschlag von 30 m/s, und so konnten wir ahnen, wie es wohl 600 m oberhalb der schützenden Wände blasen würde. Der einzige Weg, das zu erfahren, war offensichtlich, eine begehbare Route auf dem unregelmäßigen Hang zu finden. Die ersten 200 m Anstieg hatten durchschnittlich 45 Grad Neigung, und ich kämpfte schwer, bis ich noch einmal 5 kg Essen an Al gab, so daß er jetzt 25 kg und ich 15 kg hatte. Es machte noch immer nicht den Vorteil von 15 Jahren wett, die sein Körper weniger gealtert war als meiner, und die Tatsache, daß er offensichtlich von Bergziegen abstammte. Aber schließlich erreichten wir beide die 1200 m Marke. Hier flachte die Steigung ab, allerdings machten es 10 cm Neuschnee jetzt schwer, über das darunterliegende unsichtbare Geröll zu gehen. Nachdem wir viele Beinahe-Gipfel hinter uns gebracht hatten, standen wir jetzt 40 m unterhalb des Karketjårro (1388 m), hatten aber keinen Ehrgeiz, den Gipfel zu erobern, denn der scheußliche Wind führte 4 Grad kalten Regen mit sich. Trotzdem hatten wir eine schöne Aussicht über das Tal zur anderen Seite, wo die Låktatjåkka Bergstation in 4 km Entfernung majestätisch am Pass stand . Wir entschieden uns, an einem der Seen im Kuoblavagge zu campen, wo es vielleicht etwas geschützter war, und gingen zwischen den Peaks 1419 und 1391 hindurch, wobei wir uns um den See unterhalb davon quetschten. Die Bedingungen waren härter als auf den meisten der Wintertouren, die ich gemacht hatte, und der Regen kühlte mich schneller aus als ein -20°C Schneesturm. Der See war das erste Gewässer, das wir seit Stunden gesehen hatten, und wir tranken so viel von der eisigen Flüssigkeit, wie wir konnten. Das belebte mich wieder, und ich erkannte, daß ich dehydriert gewesen war. Ich fühlte mich wieder so gut, daß ich beinahe Al's Begeisterung darüber geteilt hätte, was für einen großen Spaß wir hier hatten. Unser Ziel tauchte auf, doch es war enttäuschend. Statt eines grünen, angenehmen Zeltplatzes, auf den wir gehofft hatten, war Kuoblavagge eine dunkle, abweisend aussehende Mischung von scharfen Granitblöcken und Schlammlöchern 150 m unter uns. Aber hier, wo wir waren, konnten wir auch nicht zelten, denn der Schnee, der das Geröll bedeckte, würde das Zelt nicht tragen. Wir waren 800 m aufgestiegen und hatten in schwierigem Gelände14 km zurückgelegt, und so wollten wir nicht noch weiter gehen. Al machte den ungewöhnlichen Vorschlag, daß wir auf dem Gletscher zelten sollten, neben dem wir standen, und ich stimmte zu. Der Schnee war fester und tiefer, und das Eis würde ihn kühlen, so daß er nicht von unserer Körperwärme schmelzen würde. Das größte Problem war, auf den abfallenden Hang einen flachen Untergrund zu schaffen, denn aus irgendeinem Grund hatte ich es nicht für notwendig gehalten, auf dieser Sommertour eine Schneeschaufel mitzunehmen. Aber mit Händen und Füßen machten wir unsere Arbeit und lagen bald sicher in unserem neuen Heim. Na gut, sicher, bis dann der Regen anfing, den Schnee zu schmelzen, den wir um die Heringe gepackt hatten, und der Sturmwind einen nach dem anderen herauszog. Wir mußten hinausrennen und mit großen Felsen und Leinen arbeiten, um dem Innenzelt das gleiche Schicksal zu ersparen.
Alles in allem war es eine schöne Tour, aber mit besserem Wetter wäre es noch schöner gewesen. Später hörten wir, daß an der Tarfala-Forschungsstation der Wind die Hurrikan-Stärke erreicht hatte, während wir zelteten, und daß Pia erwogen hatte, die Hütte zu verlassen aus Angst, sie könnte umgeblasen werden. Ein Lob ohne Einschränkung für Hillebergs Zeltkonstruktion. Postscript : Erinnerst Du Dich an das Haus, vom dem Al herunterfiel ? Ja, ein paar Wochen später erhielt ich einen Telefonanruf von einem aufgeregten Gletscher-Archäologen, der die Geschichte gehört hatte und einen Hubschrauber mit Forschern dorthin geschickt hatte, weil er glaubte, daß das ein wichtiges Stück Geschichte wäre, das aufgetaucht war, weil die Gletscher ungewöhnlich weit zurückgegangen waren. Ich ärgerte mich, daß ich damals die Bedeutung nicht erkannt hatte und es nicht fotografiert hatte und noch nicht einmal die Position besstimmt hatte. Ich gab ihm alle Informationen, die ich hatte. Woran ich mich erinnerte, als Al in den Boden fiel, war folgendes: Das Loch war ein-oder zweihundert Meter südlich unseres Zeltplatzes (bei SG E1607596 N7589776), etwa einen Meter tief und einen halben Meter breit. In der Tiefe dehnte es sich senkrecht zu unserem südlichen Pfad aus. Entlang der Rückwand bzw. nördlichen Wand waren einige Dezimeter von etwas zu sehen, das wie Holz aussah, das man aufeinandergesetzt hatte, um eine Wand zu bilden. Der höchste sichtbare Abschnitt war weniger als einen halben Meter unter der Oberfläche, wobei es mich sofort wunderte, wo das Dach sein mochte, wenn es ein Gebäude war. Ich wunderte mich auch, warum das Loch, in das wir schauten, sich nicht mit Schnee aufgefüllt hatte, und außerdem, warum hier überhaupt so eine Konstruktion sein sollte. Wir machten damals Witze, daß wir uns hätten in die Tiefe zur Tür graben sollen, anstatt die Nacht im Zelt zu verbringen, und dann zogen wir weiter und dachten, daß zugeschneite Gebäude etwas sind, das man in Lappland immer wieder findet, oder daß es ein kleiner Bunker war. Wir fragten später Pia, was es sein mochte, und dadurch erfuhr es Christer Jonasson, der Glaciologe und Direktor der Abisko Scientific Research Station.
Ab er das Geheimnis bleibt, und wenn Du im Sommer auf dem Kuobla Gletscher wanderst, halte die Augen offen und suche nach einer Holzkonstruktion, die aus dem Eis herausragt. Du kannst damit einige Leute glücklich machen, und ich werde dir ein Bier ausgeben. |