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Kungsleden Hemavan - Ammarnäs

(März 1999)

Tag minus 3 bis Tag minus 1

Tag minus 3

Ich bin zu Hause, es ist 2 Uhr nachts, und ich erwache plötzlich. Ich habe vergessen, die Schneeschaufel einzupacken. Dabei ist sie doch auf einer Skitour so wichtig. An Schlaf ist jetzt nicht mehr zu denken. Ich bin beunruhigt. Was habe ich sonst noch alles vergessen ? Aber ich weiß, daß solche Zustände nur ein Symptom der Streßkrankheit sind, von der wir uns erholen müssen. Ich muß wieder eingeschlafen sein, denn jetzt ist es 3.30 Uhr morgens und der Radiowecker schaltet sich ein. Wer hatte eigentlich die Idee, um diese Zeit einen Urlaub zu beginnen, in völliger Dunkelheit ? Aber es war ja die einzige Möglichkeit, um an einem Tag bis Hemavan zu kommen. Wir müssen aufstehen. 4.30 Uhr ist es jetzt, und das Taxi zum Flughafen ist da, die einzige Möglichkeit, um zu dieser Zeit dorthin zu kommen. Um 7.30 Uhr geht die Sonne auf, und die Lufthansa B 737 nach Stockholm hebt ab. Zwei Stunden später sind wir in Stockholm. Wir transportieren unser Gepäck zum Inlandsterminal. Eine Fokker 50 der Skyways wartet auf uns. Check in und Boarding gehen hier in einem durch. "Das Flugzeug ist ausgebucht, und der Skitransport hängt vom verfügbaren Platz ab. Wenn die Kapazität nicht ausreicht, dann werden die Ski erst mit dem nächsten Flug transportiert". Aber jeder zweite Passagier hat hier Ski dabei ? Und es gibt doch nur zwei Flüge in der Woche ?
Die Ski sind eingeladen und das Flugzeug startet. Wir sind auf dem Weg nach Hemavan. Eineinhalb Stunden später sind wir in den Bergen, die Wolken hängen sehr tief. Manchmal sehe ich Flüsse, Straßen, Häuser. Es scheint, daß wir landen, aber dann fliegen wir eine Kurve und steigen wieder. Dieser See mit der Brücke - habe ich den nicht schon einmal gesehen ? Der Pilot macht eine Ansage in Schwedisch, und ich verstehe, daß das unser erster Landeversuch war, daß wir es aber gleich wieder probieren. Wieder niedrige Wolken, aber jetzt ist die Landebahn zu sehen. Plötzlich gibt es einen Seitenwind, aber wir setzen auf und rollen aus. Jemand klatscht.

Tag minus zwei

Wir reisen meistens mit wenig Bargeld und holen uns dann etwas am Bankautomaten, aber Hemavan hat keine Bank und auch keinen Automaten. Wir könnten wohl in der Post Bargeld bekommen, aber wir nehmen den Skibus nach Tärnaby und sehen uns in diesem etwa größeren Dorf um. Wir bekommen Bargeld in der Bank und besuchen die Touristeninformation. In einem Faltblatt lesen wir, daß die Hüttenwirte normalerweise erst am 15. März in den Hütten sind. Wenn das stimmt, dann können wir unterwegs gar keine Verpflegung kaufen. Außerdem wissen wir inzwischen, daß die Busfahrer des Länstrafiken seit drei Wochen im Streik sind, und dann könnten wir nach der Wanderung nicht nach Hemavan zurückkehren. Der Skibus fährt erst am Nachmittag, und so nehmen wir für 300 SEK ein Taxi Tärnaby - Hemavan zirück zu unserem Hotel. Wo können wir noch einmal eine verläßliche Auskunft über die Hütten bekommen ? Wir rufen das STF Vandrarhem in Ammarnäs an. Dieses Jahr sind die Hüttenwirte eine Woche früher, das ist jetzt ganz sicher.

Tag minus eins

Wir sind inzwischen gut ausgeschlafen und mit der Gegend vertraut. Wir ziehen die Tourenski an und versuchen die ersten Kilometer der Tour. Ein Aufstieg von 350 m führt in den oberen Bereich der Abfahrtshänge von Hemavan. Es ist kalt, etwa -11 C, und es weht ein starker Wind. Carola rät mir, bereits heute alle Fotos zu machen, damit wir morgen keine Zeit verlieren müssen. Der Aufstieg ist anstrengend, der Schnee ist von Wind und Sonne hart geworden und unsere Schuppen greifen nicht. Als wir die Hochebene erreichen, hat der Wind nahezu die Stärke eines Sturms. Wir kreuzen die Abfahrtshänge und erreichen den höchsten Punkt mit einem schönen Blick auf den Umeälven und das Tal.
Die Tageszeitung erwartet das Ende des Busfahrerstreiks für heute abend. Noch einmal in die bastu, und ich unterhalte mich mit den anderen Gästen. Fast jeder scheint zum Arbeiten hier zu sein, zum Beispiel auf einer Konferenz über Statistik. Ich versuche mir vorzustellen, wie ich mich nach Skifahren, Sauna und einem Corona Extra Class Bier in einer abendlichen Sitzung über Statistik fühlen würde. Jeder unter 25 ist zum Snowboardfahren hier, die meisten anderen haben Abfahrtsski. Einige sind aus Nordschweden und nehmen an einem Bergführertraining teil. Auch eine kleine Flugschule der Polizei ist hier im Hotel, tagsüber sind sie am Flughafen und fliegen mit Hubschraubern. Wir sind die einzigen, die eine Kungsleden-Tour planen. Wir bleiben bei unserem Plan - lediglich die Sache mit den Hubschraubern hätte mich auch interessiert.

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